Predigt Ostersonntag 2020 / 1. Korinther 15, 19-28

Predigttext: 2. Kor 5,19-21

19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. 20 Nun aber ist Christus auferweckt von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. 21 Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden. 23 Ein jeder aber in der für ihn bestimmten Ordnung: als Erstling Christus; danach die Christus angehören, wenn er kommen wird; 24 danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er vernichtet hat alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt. 25 Denn er muss herrschen, bis Gott »alle Feinde unter seine Füße gelegt hat« (Psalm 110,1). 26 Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod. 27 Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. 28 Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, auf dass Gott sei alles in allem.


Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus

Liebe Gemeinde,

einem Christen in Afrika wurde seine 17jährige Tochter durch den Tod genommen. Trauer erfüllte die gesamte Familie, aber sie wussten sich in ihrem Schmerz im Glauben getragen. Auf das Grab der Tochter setzte der Vater ein schlichtes Holzkreuz, darauf stand der Namen des Kindes und der Satz: Der Tod hat keine Hände.

Über diesen Satz  wunderten sich viele, auch der Missionar aus Deutschland. Er fragte den Vater, was der Satz zu bedeuten habe. Der Vater gab zur Antwort: Der Tod hat mir mein Kind genommen, aber ich weiß, er kann es nicht festhalten. Seit Ostern hat der Tod keine Hände mehr.

Der Tod kann niemanden festhalten. So sehr wir vom Glauben her diesen Satz bejahen, so sehr ruft er zugleich Zweifel und Widerspruch hervor. Da sind unsere Erfahrungen mit dem Tod, gerade in diesen Tagen. Täglich hören wir die Zahlen, wie viele sich der Tod genommen hat, vergleichen sie mit denen vom Vortag, rechnen hoch als wäre es nur Statistik. Aber dahinter stehen Menschenleben.  

Der Tot hat keine Hände mehr? So einfach ist das nicht. Zurzeit scheint er geradezu gierig nach dem Leben zu greifen, um es an sich zu reißen. Das ist ein gewagter Satz – nicht nur in Coronazeiten.

Gleichzeitig erweist die Botschaft von Ostern darin ihre Kraft, wie wir mit Tod umgehen, wie wir ihn sehen und deuten, welche Macht wir ihm zugestehen, wie sehr er unser Leben beeinflussen darf.  

Die Frage, welche Macht dem Tod zusteht, hat wohl auch die Christen in Korinth bewegt. Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther ein langes Kapitel dazu. Manche in der Gemeinde haben nämlich  behauptet: „Es gibt keine Auferstehung von den Toten.“ Wohlgemerkt, es sind Christen, die solches sagen.  

Dabei wollten sie nicht behaupten, dass der Tod sich alles holt und nach dem Sterben alles aus sei. Als letzter Gesellschafter sitzt uns das Nichts gegenüber, hat Berthold Brecht formuliert hat. Das ist eine eher moderne Auffassung vom Sterben. Das glauben auch in Deutschland die wenigsten und um das zu glauben muss man sehr tapfer sein.

Nein, für ihre Auffassung „Es gibt keine Auferstehung von den Toten“, haben die Christen in Korinth eher Anleihe in der griechischen Philosophie aufgenommen. Für die Griechen ist der Mensch ein Wesen aus Leib, Seele und Geist.

Während Seele und Geist göttliche Qualitäten besitzen und damit unsterblich sind, gehört der Leib, der Körper, zur irdischen Welt, ist nur die Hülle, nur das Gefängnis für Seele und Geist. Sterben ist demnach ein Akt der Befreiung, der Auszug aus dem Gefängnis und insofern nichts Schlimmes. Mit der Deutung - Sterben ist Befreiung -  wollte man in Korinth dieser lästigen Frage nach dem Tod und seiner Macht aus dem Weg gehen.  

Anders als bei den Griechen wird in der Bibel der Mensch als Ganzes gesehen. Er ist insgesamt eine Schöpfung, alles ist von Gott und der Mensch soll als Ganzes bei Gott sein Ziel finden. Das schließt den Körper ein. Nun könnte man sagen: Ist doch egal, wie man sich die Sache nach dem Tod und mit der Auferstehung vorstellt. Genau weiß das keiner.  Ike lass mir überraschen, sagt der Berliner Taxifahrer.    

Für Paulus ist das nicht egal. Das Denken der Korinther hat für ihn erhebliche Konsequenzen. Paulus versucht darüber aufzuklären, er argumentiert wie ein Gelehrter, der die Argumente abwägt: Was wäre wenn? Was wäre, wenn es stimmt, dass es keine Auferstehung  von den Toten gibt? Dann, so Paulus, ist Christus auch nicht auferstanden.

Dann ist er nichts anderes als ein besserer Mensch, ein großer Gelehrter, ein Freund der Kinder und der Armen, ein Vorbild im Glauben, ein Kämpfer für Gerechtigkeit. Ohne Zweifel, dass ist Jesus auch!

Darüber hinaus aber bekennen wir ihn als den Erlöser, den Gottessohn, den Herrn, dem alle Gewalt gegeben ist. Wenn wir nur menschlich, innerweltlich an Jesus glaubten, warnt Paulus, sind wir die Elendsten unter allen Menschen. Dann wäre seine Erlösung nicht passiert. Dann würde uns der Tod am Ende doch festhalten.

Denn der Tod ist für Paulus mehr als das biologische Ende des Lebens, schon gar nicht ein Akt der Befreiung aus dem Kerker des irdischen Daseins. Für ihn ist die allgemeine Sterblichkeit ein Hinweis darauf, dass wir alle der Erlösung bedürfen.

Der Tod ist nicht nur das biologische Ende unseres Daseins, er ist ein Fall in die totale Beziehungslosigkeit, den Menschen gegenüber und auch Gott gegenüber. Diese Beziehungslosigkeit ist das, was die Bibel Sünde nennt. Die Sünde liegt schon von Adam an, von Beginn an, als Verhängnis über unserm Leben und auf der Welt.

Dieser Drang in die Beziehungslosigkeit ereilt uns eben nicht erst am Ende unserer Tage, wenn jede Beziehung abbricht.  Das auch, aber auch schon eher macht uns dieses Unheil der Sünde zu schaffen, stört das Miteinander, schafft Unfrieden, verhindert Leben. Der Tod ist davon nur die letzte, zugleich unumgängliche Konsequenz, der letzte Feind des Lebens, wie Paulus schreibt. Darin wirkt sich die Sünde aus und davon sollen wir erlöst werden. Wir glauben als Christen an die Errettung von der Sünde durch Jesu Sterben und an die Erlösung vom Tod durch seine Auferstehung.

Für Paulus hängt am Osterglaube der Glaube an das Heil. Und dieser Glaube wiederum hängt an dem, wer Jesus ist. Ist er nur ein guter Mensch oder der Erlöser. Da geht es für Paulus ums Ganze. Deshalb kann und will er nicht sagen: Ansichtssache; kann jeder meinen wie er möchte.  

Die Frage, wer Jesus ist, in welcher Vollmacht er auftritt, zieht sich durch sein Leben hindurch. Sein Anspruch, Sohn Gottes zu sein, wird proklamiert, aber auch bestritten. Er wird der Gotteslästerung verdächtigt und daraufhin gekreuzigt. Er stirbt wie ein Verbrecher, ohne dass ihn Gott vom Kreuz holt.

Das Kreuz ist die tiefste Infragestellung seines Anspruches. Kann er  Sohn Gottes sein? Ostern wiederum ist die tiefste Bestätigung dessen. Ja, er ist es, weil Gott ihn auferweckt hat. Ohne Ostern stirbt da ein Angeber, ein Möchtegern-Messias. Oder einfach nur einer, bei dem sich die Justiz geirrt hat, den die Mächtigen loswerden wollten.

Nun aber ist Christus auferstanden und damit der Erstling aus den Toten geworden, der, mit dem Gott seinen Plan, das Erlösungswerk hinausführt. An Jesus hat der Tod seine Hände verloren und damit auch sein Zugriffsrecht auf uns. Wenn er keine Hände mehr hat, kann er uns auch nicht festhalten.  

Erst jetzt, wenn die Frage nach dem Erlöser geklärt ist, macht es Sinn, weiter zu fragen nach dem, wie das mit der Auferstehung ist und was nach dem Tod kommt. Solche Fragen bewegen Menschen unterschiedlich. Einige sind da eifrig am forschen. Anderen reicht die Zusage: Jesus ist auferstanden und ich werde auch auferstehen. Wie das passiert, da lasse ich mich überraschen, wie eben jener Taxifahrer in Berlin es sagt. Die Bibel gibt dazu keine eindeutigen Aussagen. Es lassen sich Stellen finden, die von einer sofortigen Gemeinschaft mit Jesus reden. Wir sterben und sind gleich bei Jesus. Andere sprechen von der Auferweckung erst bei der Wiederkunft Jesu.

Martin Luther hat vom Seelenschlaf gesprochen. Mit dem Tod eines Menschen gelangt dessen Seele in einen Zustand der Zeitlosigkeit bis zur Wiederkunft Jesu und wird dann erweckt und bekommt einen neuen Körper, den Auferstehungsleib.

Manche Theologen sind soweit gegangen, dass sie vom Ganz-Tod gesprochen haben. Wir sind ganz tot - auch die Seele. Wir bleiben allein im Gedächtnis Gottes aufbewahrt. Er wird sich unser erinnern und uns neu erschaffen, wenn sich die Zeit vollendet hat.

Auch Paulus geht der Frage nach, wie ist Auferstehung vorstellbar. Für ihn ist das alles Plan Gottes, seine Ordnung. Es passiert nichts zufällig, sondern Gott handelt souverän, als der, der alles in der Hand hat und es allein in der Hand hat. Der Tod hat keine Handhabe mehr.

Paulus skizziert für die Auferstehung eine Abfolge in großen Schritten. Zuerst Christus. Ostern ist der erste Schritt sozusagen. Darauf schauen wir schon zurück. Danach, wenn Jesus wiederkommt, die, die Christus angehören, die Gemeinde. Danach wird er alle Macht und Gewalt übernehmen. Da ist Jesus der Richter, vor dem alle anzutreten haben. Das ist die Auferstehung zum Gericht.

Am Ende wird der letzte Feind vernichtet, der Tod. Davon heißt es in der Offenbarung: Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein,  noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Paulus sagt dazu: Dann ist Gott alles in allem.

Mit dem, was Paulus hier über das Wie der Auferstehung sagt, will er weniger Anlass zur Spekulation liefern, viel mehr Anlass zur Hoffnung. Der Tod wird vernichtet. Seit Ostern hat er schon keine Arme mehr. Er kann Menschen zu sich holen, aber er kann sie nicht festhalten. Allein Gott behält das Sagen.

Noch ist der Tod mächtig, verbreitet Angst und Schrecken, löst Trauer und Schmerz aus – und das nicht nur in Coronazeiten. Noch ist die Sünde eine Macht und ist der Tod ihr Erfüllungsgehilfe. Dieser Drang in die Beziehungslosigkeit, für die Sünde und Tod stehen, wirkt sich aus und greift nach uns.

Unter seinem Zugriff stirbt Vertrauen, so dass wir uns nichts zutrauen und den anderen nichts Gutes zutrauen und für Gott auch keine Antenne haben. Unter diesem Zugriff stirbt die Hoffnung: Bringt sowieso Nichts! Alles sinnlos, so reden wir dann und glauben das auch noch.

Unter diesem Zugriff der Sünde und des Todes stumpfen wir ab, werden immun gegenüber dem Leid anderer, werden wir unbarmherzig und reagieren unmenschlich. Kann ich auch nichts machen, die Welt ist nun mal so. Pech gehabt, sagen wir dann. Und obwohl die Sünde besiegt und der Tod seine Arme verloren hat, haben sie uns weiter im Griff.

Nun aber ist Christus auferstanden, hält Paulus fest. Der Erlöser hat sein Werk vollendet. Er ist bestätigt worden. Nun brauchen wir nicht mehr der Sünde folgen und dem Tod Macht zugestehen, die er längst verloren hat. Nun dürfen wir leben im Glauben an den Auferstandenen, mit Hoffnung für die Welt, mit Vertrauen in die Zukunft. Und mit der Bereitschaft, uns mit aller Kraft für das Leben einzusetzen. Denn der Tod hat keine Hände mehr. Ich habe meine noch, damit ich damit dem diene, dem alle Herrschaft gebührt.

Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre eure
Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Verfasser Predigttext: Pfarrer Daniel Förster

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Predigten

Predigttext: 1. Kor. 15, 19-28

19 Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen.

Predigttext: 2. Kor 5,19-21

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

Predigttext: Mk 14, 3-9

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt.

Predigttext: Mk 10,35-45

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden.