Wort zum Tag 01.04.2020

Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden

Es treibt mich um,
immer wieder neue, beunruhigende Nachrichten… - wir sind vernetzt, dank Technik. Seit wir uns nicht mehr direkt begegnen können, kommen zahlreiche Mitteilungen, wichtige Infos über die Social Media.

Es berührt mich,
ermutigende und lustige Videos kommen an, Texte, Gedanken, Anregungen ... – Zeichen der Verbundenheit.

Es beschäftigt mich,
natürlich auch meine eigene Arbeit, die in diesen Tagen in ihrer bisherigen Art und Weise wegbricht … So vieles, was sich verändert. Und es ist noch nicht abzusehen, wohin uns das führt…. „Hoffentlich ist der Albtraum bald vorüber“, sagt eine Freundin. Eine zum Teil verwirrende Fülle an Nachrichten, die mich in Bann halten, ich habe zu tun, hinterher zu kommen, zu reagieren.

Es beunruhigt mich,
verunsichert. Ich höre von anderen, die an die Grenze ihrer Kräfte, Existenz und ihrer Nerven kommen… Ich bin traurig, weil ich meine alte Mutter in der Ferne nicht besuchen, nicht mit ihr ans Grab des Vaters gehen kann.

Ich suche
nach Orientierung, nach Wegen, Möglichkeiten, durch diese Krise zu kommen.

Und ich erlebe so Wunderbares wie neulich:
Der abendliche Gesang mit den Nachbarn – über den Zaun hinweg. Wir singen (und ich staune über den männlichen, kraftvollen Gesang von der Terrasse nebenan!) vom Mond, der aufgegangen ist, von „Luftgespinsten“ und vom „Weiter-Wegkommen vom Ziel“. Wir singen zu Gott: „Lass dein Heil uns schauen, auf nichts Vergänglichs trauen“, und bitten für uns und den kranken Nachbarn, dass wir ruhig schlafen mögen. Das berührt mein Herz. Auf einmal ist der alte Text von Matthias Claudius so nah, so aktuell. Und wir singen ihn gemeinsam: zufällig Benachbarte.

Und dann spüre ich,
leise, tief in mir, etwas, was sich da regt, was berührt wird, das leben will… Ich lausche. Etwas Neues, wie ein kleines zartes Pflänzchen, das sich herauswagt. In der Natur kommt mir es unmittelbar vor Augen: Wir haben Frühling, erste Triebe kommen überall hervor, manche zaghaft, manche ganz deutlich. Da ist Leben! Ich muss schon genauer hinsehen, es ist noch zart.

Manchmal sind es die leisen Töne, Geschehnisse, gänzlich unspektakulär, die mich erwärmen und neu inspirieren. So war es auch kürzlich auf einem Spaziergang: Mir kam plötzlich ein Lied in den Sinn und ich summte es vor mich hin. Dann kam der Text dazu: „Schweige und höre, neige deines Herzens Ohr, suche den Frieden.“ Ein Kanon von Helge Burggrabe. Wunderbar. Frieden. Ja! Frieden, um durch diese beunruhigende Zeit durchzukommen. Ein Lied – für mich ein Geschenk in dieser Situation. - DANKE.

Wenn wir uns auf-machen, öffnen, leiser werden …, still … können wir lauschen, was da an unser Herz kommen will. Wir müssen unsre Antennen nur darauf ausrichten. Möge uns dies ab und an gelingen - dies wünsche ich Ihnen – uns allen - von Herzen, auch an diesem neuen Tag.

Schalom

Annette Meißner, Adelsberg

Zurück

Wort zum Tag