Andacht - Leben im Licht

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“ (Jesaja 50,10)

„Denn die einen sind im Dunkeln und die andern sind im Licht. Und man siehet die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.“ Zu dieser Einsicht kommt Mackie Messer in Brechts Dreigroschenoper. Wir reden auch gern von denen, die im Licht stehen oder von denen, die sich auf der Schattenseite des Lebens wiederfinden. Die Metapher von Licht und Finsternis wird bemüht, um Erfolg oder Misserfolg, Glück oder Unglück zu beschreiben. Im Advent erfährt der Gegensatz zwischen Licht und Finsternis noch mehr Beachtung, weil die dunkle Zeit im Jahr unsere Sehnsucht nach Licht verstärkt. Licht schafft Klarheit. Licht lässt hoffen. Nur im Licht kann das Leben gedeihen. Gerade die Bergleute im Erzgebirge wussten davon.

Auch in der Bibel begegnet uns die Symbolkraft von Licht und Finsternis. Beim Propheten Jesaja heißt es: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“ (Jesaja 50,10) Zu wem der Prophet so spricht, lässt sich schwer sagen. Es müssen Menschen sein, für die die Erfahrungen von Finsternis sehr konkret sind, deren Leben von Gefühlen wie Verlorenheit, Resignation und Angst bestimmt ist. Diese Menschen ruft der Prophet zum Vertrauen auf Gott auf. Mehr als diese Aufforderung sagt er allerdings nicht. Es gibt kein Versprechen, dass das Dunkel hell wird oder das Schwarze bunt. Vertraut auf den Namen des HERRN, heißt es lediglich. Der Name des HERRN ist Jahwe, übersetzt: „Ich bin da!“ oder „Ich bin für dich da!“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger wird den Menschen zugesprochen als die unbedingte Nähe Gottes. Ist das zu wenig? Die Erfahrung lehrt uns, dass nicht alle Finsternis der Welt verschwindet, auch nicht durch den Glauben. Aber durch den Glauben wird die Finsternis relativiert. Sie behält nicht die alleinige Deutungshoheit. Sie wird von der Gegenwart Gottes durchdrungen und begrenzt.

Mit Weihnachten, so bekennt es der christliche Glaube, hat die Gegenwart Gottes in unserer Welt noch einmal eine viel höhere Qualität bekommen, als Jesaja es ansagen konnte. Der „Ich-bin-da-Gott“ ist selbst zur Welt gekommen und Mensch geworden. Er geht zu denen, die im Dunkel leben. Er nimmt sie wahr, lässt sich auf deren Existenz ein und setzt sich so der Finsternis aus. „Das Licht scheint in der Finsternis“, umschreibt Johannes dieses Wunder der Weihnacht. Später proklamiert Jesus den Anspruch, das Licht der Welt zu sein, damit alle, die an ihn glauben, Anteil an diesem Licht haben. Damit ist die Finsternis nicht aus der Welt, aber von Christus her wird die Finsternis in ihre Schranken gewiesen. Glauben heißt dann, sich diesem Licht immer wieder entgegenzustrecken und sich zu ihm hindurchzuglauben. Das heißt für uns, uns jener Zumutung zu stellen, die Jesaja schon seinen Zuhörern aufgetragen hat: „Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“

Gottes Segen für die Advents- und Weihnachtszeit sowie für das Jahr 2020 wünscht im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter
Ihr Pfarrer Daniel Förster

Hände mit Kerze, Foto: Myriam Zilles/Pixabay
Foto: Myriam Zilles/Pixabay