Besser man hat als man hätte!

Solche Sprüche kennen wir, sie gelten als Lebensweisheiten: Besser der Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Besser heute ein Ei als morgen die Henne. Besser arm in Ehren als reich in Schanden. Besser man hat als man hätte. Hier werden Wirklichkeiten verglichen und bewertet. Das eine hat mehr Gewicht als das andere.

Im Buch des Predigers finden sich viele solcher Weisheiten. Einer dieser Verse ist zum Monatsspruch für September ausgewählt worden: „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.“ (Prediger 4,6). Vom Haschen nach Wind ist beim Prediger oft zu lesen, damit beschreibt er das Vergebliche und Unverfügbare im Leben. Nicht einmal mit geballter Faust lässt sich der Wind festhalten. Die Faust steht zudem für Gewalt und Aggression. Beide Fäuste voll mit Mühe wollen mit Macht etwas erreichen. Aber es gelingt nicht, das Vorhaben scheitert, trotz aller Anstrengung und allem Eifer. Wir kennen diese Erfahrung und haben unsere Sprüche, die das bezeugen: Weniger ist mehr. In der Ruhe liegt die Kraft.

Wenn der Prediger von Ruhe spricht, meint er nicht nur Genügsamkeit und Gleichmut.

Ruhe ist für ihn eine geistliche Haltung, die vom Vertrauen auf Gott herrührt. Gott ruhte am siebenten Tag der Schöpfung und erst mit dieser Gottesruhe kommt die Schöpfung an ihr Ziel. Erst mit dieser Ruhe ist alles sehr gut geworden. Am Sabbat feiern die Juden diese Ruhe und erinnern sich daran, dass nicht wir die Macher unseres Lebens sind, sondern zum Geheimnis des Lebens das Unverfügbare gehört und wir das Wesentliche nur empfangen können.

Manchmal habe ich alle Hände voll zu tun und verfalle dem Drang, mit Macht oder Krampf etwas erreichen zu wollen. Nicht selten scheitere ich dabei, dann bleiben Enttäuschungen, Ärger und (Selbst-)Vorwürfe zurück. „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste mit Mühe!“ Die Weisheit des Predigers rät mir, mehr aus dem Vertrauen auf Gott zu leben. Ich soll das mir Mögliche tun und lernen, das Unmögliche anzunehmen. Darin liegt der Frieden. Denn die Ruhe des Sabbats ist nicht Untätigkeit oder Gleichgültigkeit, sondern Erfüllung und Freude, weil ich mich auf Gott verlasse und ihn wirken lasse.

Im Namen aller Mitarbeiter und des Kirchenvorstandes grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Daniel Förster