Schätze der Weisheit

„Wissen ist Macht, nichts wissen macht nichts!“. Weisheiten dieser Art kennen wir. Sie karikieren auf humorvolle Weise unsere moralischen Ansprüche, indem sie diese ins Gegenteil verdrehen. Über den Geist solcher Sätze kann ich schmunzeln oder mich ärgern. Für die Philosophen der Antike hieß Weisheit zu haben, sich vom Verstand leiten zu lassen und der Einsicht zu folgen. Vor allem die Stoiker sind für diese Lebensart sprichwörtlich geworden. Ihre Weisheit ging einher mit Gelassenheit und Gleichmut. Statt von Emotionen und Gemütsregungen soll sich der Mensch von Vernunft und Pragmatismus bestimmen lassen.

Eine Art Philosoph ist auch Jesus Sirach gewesen, ein jüdischer Weisheitslehrer. Etwa um 180 vor Christus hat er seine Einsichten zu Papier gebracht. Wir finden seine Gedanken in den Spätschriften des Alten Testamentes. Die jüdische Weisheit ist sehr am praktischen Leben orientiert. Sie geht der Frage nach, wie das Leben gelingen kann – in der Familie und im Umgang mit den Mitmenschen, im Gegenüber zu den Machthabern, in Bezug auf Arbeit, Besitz und Geld. Die jüdische Weisheit lässt sich von der Grunderkenntnis leiten, wonach alle Weisheit von Gott kommt und bei ihm ihr Ziel findet. Jesu Sirach formuliert diese Erkenntnis so: „Gott lieben, das ist die allerschönste Weisheit.“ (Sirach 1,10/Monatsspruch für September)

Während die Weisheit der Stoiker in der Gefahr steht, berechnend zu sein und distanziert zu bleiben, erklärt Jesus Sirach die Gottesliebe zum höchsten Gut. Liebe aber berechnet nicht. Liebe gibt sich hin, nimmt Anteil und überwindet Distanz. Für Jesus Sirach äußert sich die Liebe zu Gott darin, dessen Weisungen zu befolgen und die Gebote der Thora einzuhalten - nicht aus Berechnung, sondern aus Überzeugung. So ehren wir Gott und zeigen darin unsere Liebe ihm gegenüber. Ganz ähnlich hat später Jesus von Nazareth die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen zum höchsten Gebot erklärt. Wer Gott liebt, sieht sich der Gerechtigkeit verpflichtet und will barmherzig sein. Er setzt sich für die Schwachen ein und möchte, dass die Wahrheit regiert und der Frieden gewinnt. Mit der Haltung der Stoiker ist solch ein Lebensstil der Liebe nur schwer umzusetzen. Da braucht es andere Vorbilder, solche wie Jesus Sirach oder Jesus Christus. Von Letzterem sagt der Apostel Paulus: In Christus liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Wer ihm nachfolgt, dessen Leben wird sich erfüllen.

Im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher grüßt Sie herzlich

Ihr Pfarrer Daniel Förster