„Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig.“ (Jes 40,3.10)

Die Adventszeit ist bei uns ganz von der Vorfreude auf das Weihnachtsfest bestimmt. Wir zünden in den vier Wochen vor Weihnachten jeden Sonntag eine weitere Kerze an den Adventskränzen an. Wir schmücken Fenster, Häuser und Läden. Wir backen Plätzchen und bereiten geheimnisvolle Päckchen vor. Und gehen wir abends durch die Straßen, staunen wir, wie es an immer mehr Ecken weihnachtlich leuchtet, tönt und riecht. Selbst wenn uns der Rummel und die Hektik ein wenig müde oder nervös machen, so erleben wir die Adventszeit doch als eine Zeit der erwartungsvollen Freude. Denn wir bereiten uns auf das große Fest vor: Auf Weihnachten!

Doch leider dreht sich auch bei uns nicht mehr immer alles nur um das Eigentliche an Weihnachten – um das Erscheinen der Gnade Gottes in Jesus Christus. Wichtiger sind nicht selten gutes Essen und Geschenke geworden. Dass Gott selbst sich uns geschenkt hat, um uns und unsere Welt zu verändern, gerät an Weihnachten schnell in den Hintergrund. Dabei würden wir es uns wünschen, dass der Herr gewaltig kommt und sichtbar Veränderung bringt, besonders in den Herzen der Menschen.

Auf diese heilsame und rettende Ankunft Gottes, die wir zu Weihnachten feiern, will uns die Adventszeit vorbereiten. Es ist die Ankunft Gottes, die sich in unserer Wirklichkeit vollzieht, in unserer Welt, die Gott so sehr nötig hat. Eine Welt, in der Gott genauso oft vergessen wird wie hilfsbedürftige Menschen. Eine Gegenwart, in der viele nur noch mit sich selbst beschäftigt sind. Eine Wirklichkeit die oft grau, kalt und herzlos erlebt wird.

Mitten in dieser Wirklichkeit erinnert uns das Weihnachtsfest, das Christinnen und Christen auf der ganzen Welt feiern, immer wieder daran, dass Gott seinen segensreichen Plan mit der Welt nicht aufgibt. Was er einst begonnen hat, das soll nicht in Elend, Leid und Not, nicht in Angst und Trümmern untergehen. Gott führt weiter, er baut wieder auf und er verändert. Auch wenn wir es nicht wahrnehmen, er tut es!

Erwarten wir Gottes Kommen in unsere Welt in spektakulärer Weise, so wird uns im Weihnachtsgeschehen verdeutlicht, dass sein „gewaltiges Kommen“ die Gestalt des Kindes in der Krippe angenommen hat: „Siehe, ich verkündige euch große Freude, […] denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lk 2,10f.).

Dieses zugesprochene Wort der Freude und des Trostes kann keiner ungültig machen. Jeder von uns kann es für sich selber in Anspruch nehmen und dabei erfahren, wie das Innerste aufatmet, Beziehungen geheilt werden und das Leben wieder lebenswert wird. Unter diesem Wort des Erbarmens lernen wir, unsere Welt und unsere Lage, uns selbst anders zu sehen. Wir lernen, unseren Blick von dem, was ihn dauernd gebannt hält, wegzuwenden und frei die Herrlichkeit Gottes zu schauen, sein Wirken an und in unserem Leben. Wandelt das nicht alles in uns gewaltig?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und Gottes Geleit im neuen Kirchenjahr.

Ihr Vikar
Matthias Müller