Andacht - Passionszeit – Eine Reise zu Ostern

„Verzicht nimmt nicht. Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“ (Martin Heidegger)

Am Aschermittwoch hat die 40-tägige Passionszeit begonnen. In Vorbereitung auf Ostern sind wir Christen zum Fasten aufgerufen. Dabei mutet dieser Begriff ein wenig seltsam an, erscheint er uns heute mitunter veraltet und überholt. Doch kann sich unser Blickwinkel ändern, wenn wir uns den Zweck des Fastens etwas näher vor Augen führen.

Fasten ist in erster Linie ein freiwilliges Opfer. Wir verzichten für eine bestimmte Zeit auf Angenehmes und Liebgewonnenes. Dabei fällt es uns nicht leicht, Dinge aufzugeben, die wir genießen und für unser Glück unverzichtbar halten. Doch sind wir in Wirklichkeit nicht das, was wir zu essen oder trinken bevorzugen. Ebenso wenig sind wir unsere Hobbys, von denen wir manchmal meinen, dass sie unseren Körper und unsere ganze Persönlichkeit definieren. Erst wenn wir zurückdrängen, was unser Leben scheinbar stützt, verstehen wir, wie sehr wir uns manchmal von so vielen Dingen in unserer Welt abhängig machen und unsere Beziehung zu Gott vergessen. Die Sehnsucht nach Gott erlischt oft im Wohlstand, der uns begleitet. Beim Fasten verzichten wir auf so manche Annehmlichkeit, um uns frei zu machen und bewusst für Gott zu öffnen. Wir können Gott nicht Raum in unserem Alltag geben, wenn Ablenkung, Ignoranz und Vergesslichkeit unsere Art zu leben ist. Fasten bringt uns näher zu Gott, wenn wir uns unter den Dingen der Welt verloren haben.

Das Fasten gibt uns die Möglichkeit, eine spirituelle Zeit anzutreten, um Gott zu begegnen und den vernachlässigten Kontakt im Gebet zu pflegen. Das Fasten hilft uns, Gottes Wirken fortan noch intensiver wahrzunehmen. Verzichten wir beispielsweise auf ausgewählte Lebensmittel, erscheinen diese durch ihr Fehlen plötzlich in ihrem wahren Licht: als Geschenk Gottes. Auch das dürfen wir zum Anlass nehmen, um uns im Gebet an Gott zu wenden und ihm zu danken.

Das Fasten findet letztlich seinen Sinn im Gebet. Es ist keine einfache Diät oder bloße Enthaltung von Lebensmitteln oder anderen Verhaltensweisen, sondern eine Verwandlung von Seele und Leben. Das Fasten ist eine spirituelle Reise zu Ostern hin, eine Vorbereitung auf die Auferstehung des Herrn und auf die zukünftige Auferstehung eines jeden. Ostern findet diese Reise zum Ziel und wir können an der Freude über die Auferstehung in dem Bewusstsein teilnehmen, dass wir zur Teilhaberschaft eingeladen sind.

Es grüßt Sie herzlichst
Ihr Vikar Matthias Müller

Foto: congerdesign/Pixabay
Foto: congerdesign/Pixabay