Maria Magdalena - Apostelin der Apostel

(Foto: Ausschnitt aus dem Misereor-Hungertuch von 1990 von Lucy D`Souza; Indien)

Der Ostermorgen beginnt für Maria Magdalena mit einem Schock. Sie kommt ans Grab und sieht, dass der Stein weggerollt ist. Das Grab ist leer. Verstört läuft sie zu den Jüngern, um ihnen zu berichten: „Sie haben den Herrn weggenommen und wir wissen nicht, wo er ist.“ Mit Petrus und Johannes kehrt sie zum Grab zurück. Auch die beiden Jünger verstehen nicht, was geschehen ist. Während die Jünger das Grab wieder verlassen, bleibt Maria zurück. Ihr Schock weicht der Trauer, ihre Tränen beginnen zu fließen. Da wird sie gefragt: „Frau, warum weinst du?“ Zwei Engel fragen sie und geben ihr die Gelegenheit, von ihrer Traurigkeit zu erzählen. „Sie haben meinen Herrn weggenommen und ich weiß nicht, wohin sie ihn gebracht haben“, bekennt sie. Wenn Jesus schon tot ist, braucht sie wenigstens einen Ort, um seinen Tod betrauern zu können. Ganz in ihrem Schmerz gefangen, wird sie erneut gefragt: „Frau, was weinst du?“ Diesmal ist es Jesus, der Auferstandene, der sie anspricht. Sie meint, es wäre der Gärtner und klagt auch ihm ihre Not. „Maria!“ Erst als Jesus sie bei ihrem Namen nennt, erkennt sie den, den sie verloren glaubte. Jesus lebt, er ist bei ihr, sieht ihre Tränen und spricht sie an. Schließlich schickt er sie los, um den Jüngern die Botschaft von Ostern zu bringen. „Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündigte ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.“ (Johannes 20,18 /Monatsspruch für April) So wird Maria die erste, die das Ostergeschehen verkündigt. Apostola Apostolorom hat Augustin sie daher genannt, die Apostelin der Apostel.

Auf dem Weg, den Maria am Ostermorgen zu gehen hat, haben sich viele Glaubende seitdem wiedergefunden. Sie teilen mit Maria die Erfahrung von Verlust, Trauer und Ratlosigkeit. Sie wollen verstehen, was geschehen ist, und stoßen dabei an ihre Grenzen. Doch wie Maria erleben viele, wie Jesus ihnen nahekommt, er sie anspricht und tröstet. Sie spüren, Jesus sieht meinen Schmerz. Er kennt mich, ruft mich bei meinem Namen. Und er hat einen Auftrag für mich. Er sendet mich. Wie Maria soll ich weitersagen, dass Jesus lebt und wie ich ihn erlebt habe. So sind wir gerufen, die Botschaft von Ostern denen zu bringen, die noch immer in Trauer und Ratlosigkeit gefangen sind.

Eine gesegnete Passions- und Osterzeit wünscht Ihnen im Namen aller Mitarbeiter und Kirchvorsteher

Ihr Pfarrer Daniel Förster