Andacht - Shutdown persönlich!

Shutdown ist einer der Begriffe der Coronakrise. Shutdown heißt herunterfahren, schließen, zumachen. Im März haben wir den Shutdown erlebt: Schulen, Kitas und Geschäfte geschlossen. Ausgangsperre. Kontaktverbot. Nichts geht mehr. Das wirtschaftliche und soziale Leben kommt weitestgehend zum Erliegen.

Einen persönlichen Shutdown hat der Prophet Elia erlebt. Davon wird im 1. Buch der Könige berichtet. Eben noch hat Elia einen großen Erfolg erzielt. Die Priester des Baal-Kultes hat er bloßgestellt und geschlagen. Dem Volk konnte er demonstrieren, dass nur Jahwe allein der wahre Gott ist. Daraufhin droht Isebel, die Königin und Anhängerin des Baal-Kultes, dem Propheten mit dem Tod. Trotz seines Erfolges bekommt es Elia mit der Angst zu tun. Er tritt die Flucht an. In der Wüste versteckt er sich. Nichts geht mehr! Er wünscht zu sterben. Ein persönlicher Shutdown, weil die Bedrohung zu groß geworden ist und der Glaube zu klein.

In dieser Notlage wird Elia von Gott aufgesucht, er begegnet ihm in Gestalt eines Engels. „Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ (1. Könige 19,7; Monatsspruch für Juli 2020) Gott kommt seinem Propheten zu Hilfe. Er lässt Elia nicht im Stich. Gott sorgt dafür, dass Elia wieder zu Kräften kommt. Er gewährt ihm, was sein Körper und seine Seele brauchen: Nähe und Berührung, Nahrung und Stärkung. Elia darf schlafen und essen, Abstand gewinnen und neue Kräfte sammeln. Damit wird er von Gott auf Größeres vorbereitet. Nicht der Shutdown ist das Ende, sondern er ist der Durchgang zu einer weit tieferen Erfahrung.

In den Tagen unseres Corona-Shutdown haben wir gespürt, wie bedürftig wird sind. Die menschlichen Urbedürfnisse nach Essen und Schlafen konnten befriedigt werden, die Bedürfnisse nach Nähe, nach Begegnung und Beziehungen blieben oftmals ungestillt. Wir haben gemerkt, wie bedroht unser Dasein ist - trotz Wissenschaft und technischen Fortschritts im 21. Jahrhundert. Wir haben gemerkt, wie sehr wir einander brauchen und aufeinander angewiesen sind. Dass Verkäuferinnen systemrelevant sind oder Altenpfleger zu Helden werden, hätte vor Corona keiner zu behaupten gewagt. Hoffentlich bewahren wir uns diese Erkenntnis für die Zeit nach Corona.

Mit dem Shutdown Mitte März waren auch keine Gottesdienste oder andere Veranstaltungen mehr möglich. Viele haben das Zusammensein als Gemeinde schmerzlich vermisst. Zu den menschlichen Grundbedürfnissen gehört auch das Verlangen, von Gott berührt und angesprochen zu werden, so wie es Elia erlebt hat. Auch wenn unsere Bedürfnisse in der medialen und technisierten Welt von vielen Dingen überlagert und manipuliert werden, tragen wir das Verlangen nach Gott weiter in uns. Denn, so sagt es Augustin, wir sind geschaffen zu Gott hin und können nur bei ihm Frieden finden.

Mancher hat in diesen Shutdown-Zeiten vielleicht gemerkt, was sich Gott alles einfallen lässt, um uns in der Not nahe zu kommen. Bei Elia schickte er einen Engel. In unseren Tagen macht er sich durch Gottesdienste im Internet bekannt, die erstaunlicherweise von viel mehr Menschen angeklickt werden, als sonntags in unseren Kirchen sitzen. Nutzt Gott solche Notzeiten, um sich neu in Erfahrung zu bringen? Dann hätte die Krise tatsächlich eine Chance. Hoffentlich verspielen wir diese Chance nicht wieder.

Wenn Gott uns begegnet, ist das tröstlich und motivierend zugleich. So wenigstens erfährt es Elia. Der Prophet soll sich ausruhen und stärken, um schließlich neu aufbrechen. Einen weiten Weg hat er vor sich, einen Weg mit Gott und zu ihm hin. Vierzig Tage wird Elia unterwegs sein und am Ende seiner Reise zum Horeb gelangen, dem Gottesberg. Dort wird er Gott auf neue und geheimnisvolle Weise begegnen. Er bekommt einen Blick geschenkt, was Gott mit seinem Volk vorhat. Sein persönlicher Lebensweg führt Elia ans Ziel, er findet schließlich zu Gott. Der Shutdown war nur eine Zwischenstation, nicht einfach sinnlos und unnötig, sondern lehrreich und weiterführend. Es ging für Elia nicht zurück in die alten Geschichten mit ihren Zwängen, Ängsten und Irrtümern. Es ging weiter, begleitet von diesem Gott, der Anteil nimmt. So möchte Gott auch für uns sein. Auch wir sollen auf unserem Lebensweg weiter vorankommen. Vorankommen heißt, uns selbst besser kennen zu lernen. Wir sollen verstehen, wer wir sind und wozu wir gerufen sind, wo unsere Grenzen liegen und welches Ziel unser Dasein hat. Wir sollen Gott erfahren als den, der uns begleitet und herausfordert, der mitgeht und unser Vertrauen verdient hat. Manchmal ist ein persönlicher Shutdown nötig, um auf diesem Weg weiterzugehen.

Ihr Pfarrer Daniel Förster

Foto: congerdesign/Pixabay
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